Neue Freunde und Familie in Mek’ele
Neue Freunde und Familie in Mek’ele
28.08.15 

Wenn Lena heute an ihre Zeit in Mek’ele (Äthiopien) denkt, fallen ihr spontan das turbulente Leben auf den Straßen der Stadt, die Offenheit der Menschen, der Verkauf von Kaktusfrüchten und eine Fülle von Dreiradtaxis ein…

FIESTA.redaktion: Was hat dich nach Äthiopien geführt und was hast du vor Ort gemacht?

Lena: Die „Kirche in Aktion“ aus Frankfurt sucht immer wieder Menschen, die Interesse haben, Hilfseinsätze in verschiedenen Ländern der Welt durchzuführen und aktiv vor Ort an Projekten mitzuarbeiten. So haben sich dieses Jahr im August 14 Leute aus Deutschland gefunden, die für zwei Wochen nach Äthiopien geflogen sind, um sanitäre Einrichtungen in Mek’ele neu aufzubauen. Mit unserer Hilfe konnten wir „Operation Rescue“ unterstützen, ein Kinderhilfswerk, welches sich vor allen Dingen um ca. 300 Straßen- und Waisenkinder kümmert.

FIESTA.redaktion:Erzähl mal, mit welchen Erwartungen du nach Äthiopien geflogen bist.

Lena: Mir war bewusst, dass ich in ein sehr armes Land komme, aber die tatsächliche Dimension der Armut war viel erschreckender als ich es mir hätte vorstellen können. Mein Anliegen, praktische Hilfe zu leisten, konnte ich erfüllen, doch schnell wurde mir klar, dass ich all diese Menschen in ganz kurzer Zeit wieder zurücklassen muss und ich mein Leben in Deutschland habe. Dieses Gefühl war für mich irreal.

FIESTA.redaktion: Inwiefern seid ihr mit den Menschen vor Ort in Kontakt gekommen?

Lena: Zunächst wurden wir von den Menschen in Mek’ele wirklich sehr herzlich begrüßt. Dadurch hatten wir schnell Kontakt zu den Kindern, mit denen wir vormittags Zeit verbringen konnten. Darüber hinaus bestand natürlich Kontakt zu den Mitarbeitern von „Operation Rescue“, die uns immer wieder ihre Dankbarkeit ausgedrückt haben, dass wir bei ihnen sind und helfen wollen. Es war für mich bewegend zu sehen, dass wir ihnen nicht nur praktisch ein wenig unter die Arme greifen konnten, sondern sie auch für ihre Arbeit neu motivieren und psychisch stärken konnten. Außerdem haben wir ja die Sanierung nicht alleine bewerkstelligt, sondern viele äthiopische Tagelöhner haben daran mitgearbeitet. Auch wenn wir uns nur mithilfe von Zeichensprache verständigen konnten, so sind wir nach nur wenigen Tagen zusammengewachsen. Schnell waren es nicht einfach irgendwelche fremden Menschen, sondern viel mehr – es fühlte sich an, als ob es Brüder und Schwestern sind. Ich bin dankbar, dass Gott innerhalb so kurzer Zeit wirkliche und ehrliche Gemeinschaft herstellen konnte.

FIESTA.redaktion: Was war für dich die schönste Erfahrung?

Lena: Es ist eben schon angeklungen – der Zusammenhalt, die familiären Beziehungen, aber auch der Umgang miteinander haben mich tief beeindruckt. Öfter hatten wir die Gelegenheit einen Sozialarbeiter bei seiner Arbeit zu begleiten. Bei den Familienbesuchen hat mich sein Mitgefühl und seine Liebe zu den Familien sehr bewegt. Außerdem hat es mich sehr inspiriert zu erleben, wie lebensbejahend eine Vielzahl von Menschen ist, obwohl die Lebensumstände so schwer sind. Trotz der Umstände sind sie dankbar für ihr Leben und haben ein so tiefes Vertrauen, dass sie von Gott versorgt werden und deshalb keine Angst vor dem Verhungern haben. Natürlich war es total ermutigend zu sehen, dass viele der Jugendlichen durch die Unterstützung von „Operation Rescue“ die Möglichkeit haben, ein Studium zu beginnen.

FIESTA.redaktion: Danke für die Einblicke deiner Erfahrungen in Äthiopien!

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Äthiopische Tagesarbeiter, die schnell zu Freunden wurden

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Das Leben in Mek’ele

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Ein Teil des Teams von „Operation Rescue“ mit den Kindern bei der morgendlichen Andacht

Version 2
Die Hauptstraße der Stadt

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Abschied von guten Freunden